Mobbingpraevention in der Schule

von Sarah Galehr und Andreas Görg

Das internet ist voller guter Ratschläge, was zur Prävention von Mobbing in der Schule alles getan werden sollte. Allerdings fehlt in diesem Pool der Ratschläge ganz offensichtlich die Beschäftigung mit dem Schulsystem als Quelle von Mobbing bzw. als Ansatzpunkt der Prävention. Ohne Auseinandersetzung mit Schule als Organisation in einer sich rapide wandelnden Gesellschaft bleiben die guten Ratschläge fromme Wünsche: Denn einerseits produziert das anachronistische Schulsystem selbst immer mehr Mobbingpotential, andererseits fehlt es an Ressourcen bzw. verunmöglicht die starre Organisationsstruktur der Schule eine effektive und umfassende Mobbingprävention. Daher scheitert die Verhinderung von Mobbing im Rahmen des Bestehenden allzu oft. Dieser Artikel wendet sich an Lehrer_innen, Eltern und Schüler_innen, die sich trotz der schwierigen Ausgangsbedingungen für eine effektive Mobbingprävention einsetzen wollen, ohne ins Burnout zu schlittern.

Mobbing oder Konflikt?

Wichtig ist zunächst, Mobbing von Konflikten zu unterscheiden. Konflikte sind in allen sozialen Konstellationen angelegt und können immer wieder Ausbrüche und Eskalationen hervorrufen. Konfliktausbrüche zu vermeiden ist nicht immer möglich, nicht einmal immer wünschenswert. Denn Austragung von Konflikten und deren Lösung bieten im besten Falle ein Potential, um soziale Bindungen zu stärken und die Qualität der Lebens- und Arbeitssituationen zu verbessern. Eskalationen können Konfliktbewusstsein und Lösungsbereitschaft erzeugen. Und auch Trennung der Konfliktparteien kann eine willkommene Lösung eines Konfliktes bedeuten. Nicht so bei Mobbing. Mobbing ist ein destruktives Konfliktventil, d. h. ein konfliktbedingtes Angriffsverhalten, das abseits der zugrundeliegenden Konfliktlinien aktiv(iert) wird. Mobbing trägt daher nichts zur Konfliktlösung bei, sondern wiederholt sich ständig. Das Ausmaß der Angriffe steht bei Mobbing in keiner Relation zu den Konflikten, die zwischen den Angreifenden und den Angegriffenen existieren mögen. Daher sind bei Mobbing die Angegriffenen in der Regel austauschbar. Oft wird allerdings ein Scheinkonflikt zwischen den am Mobbingprozess Beteiligten aufgebauscht. Das hat zur Konsequenz, dass die bei Konflikten üblichen Austragungsformen (Deeskalation, Diskussion, Mediation, Vereinbarung von Verhaltensrichtlinien und Grenzen, Trennung der Konfliktparteien) bei Mobbing nur zu kurzlebigen Scheinlösungen führen und ein Wiederaufflammen des Angriffsverhaltens (eventuell in anderer Form gegen andere Personen) nicht verhindern. Die dem Mobbing tatsächlich zugrundeliegenden Konflikte sind ganz überwiegend in anderen sozialen Verhältnissen, Widersprüchen und Strukturmängeln zu suchen. Konflikte sind lösbar. Mobbing ist nicht lösbar, sondern ein Konfliktderivat, das zuerst auf Konflikte zurückgeführt werden muss, um eventuell lösbar zu sein. Je höher der Anteil der unmittelbaren Konflikte zwischen den Beteiligten am Mobbingprozess, desto leichter lässt sich Mobbing beenden. Mobbing zu bearbeiten bedeutet erstens, das destruktive Konfliktventil zu verschließen, und zweitens, die zugrundeliegenden Konflikte (ausgehend von den Mobbenden) zu entdecken, zu rekonstruieren und zu entschärfen, sodass der Konfliktdruck nicht andere destruktive Ventile (Gewalt, Diskriminierung, Autoaggression, Apathie, Suchtverhalten, Vandalismus etc.) findet.

Ein Fall für die Psychologie?

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Mobbing ist stets zu berücksichtigen, dass dieser Diskurs ab Anfang der 1990er Jahre im deutschsprachigen Raum aus dem Feld der Arbeitspsychologie kommt. Dieser Hintergrund prägt und verzerrt den Mobbingdiskurs bis heute. Vor allem die Erklärungen der Mobbingursachen bleiben allzu sehr im Psychologischen verhaftet, während die gesellschaftlichen und organisatorischen Dimensionen des Phänomens unterbelichtet bleiben. Dabei sind es gerade soziale Entwicklungen und problematische Organisationsstrukturen, die Mobbingverhalten auslösen oder eindämmen. Die Entwicklung bzw. Entfesselung der psychologischen Dispositionen von Mobber_innen ist insbesondere die Konsequenz dieser gesellschaftlichen (inklusive familiären) und organisatorischen Ursachen. Oft sind die sozialen und organisatorischen Hintergründe der Verhaltensänderung, die Menschen zu Mobber_innen werden lassen, vielfältig und schwer zu erschließen. Dennoch: Kinder und Jugendliche mobben nicht aus heiterem Himmel. Dementsprechend ist es nicht damit getan, Mobbing allein mittels Mangel an sozialer und emotionaler Kompetenz, ungefestigter Persönlichkeit, dem individuellen Streben nach Macht und Anerkennung sowie der Herstellung und Aufrechterhaltung von stabilen informellen Gruppenhierarchien zu erklären. Anders als die Literatur zu Mobbing in der Arbeitswelt ist die Literatur zu Mobbing in der Schule noch mehr dazu verleitet, sich mit solchen psychologisch-enthistorisierten Erklärungen zufriedenzugeben. Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind in ihrer Dramatik unübersehbar, während die Schule als Institution in Österreich scheinbar seit den späten 1970er Jahren – abgesehen von den Versuchen der Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in den Regelunterricht ab Anfang der 1990er Jahre – in einem Zustand der Erstarrung verharrt. Genau diese Erstarrung wird jedoch zunehmend zum Problem und zum Nährboden für Mobbing.

Vom Standpunkt der Mobbingprävention ist zu betonen, dass die Struktur einer Organisation der wesentlichste Angelpunkt zur Verhinderung von Mobbing ist. Bislang ist die Organisation der Schule in Österreich sehr starr und die Lehrer_innen und Schulleiter_innen haben derzeit auf diese Struktur (Jahrgangsklassen statt Interessengruppen, Stundentakt und Fächerkanon statt flexible Projektarbeit, Vormittags- statt Ganztagsschule, diskriminierende Selektion durch Segregation der Bildungswege statt integrative Pflichtschule mit vielen weiterführenden Optionen, vernachlässigte, praxisferne Fortbildung des Lehrpersonals, behäbige, ressourcenverschlingende Schulbürokratie statt Förderung von Kindern mit Lernschwierigkeiten, sozial-emotionalen Defiziten und Kompensierung geringerer Bildungschancen von Kindern aus benachteiligten Schichten etc.) ebensowenig Einfluss wie die Schüler_innen und Eltern. Die Starre des Schulsystems steht im Widerspruch zu den rezenten rasanten Entwicklungen in der Gesellschaft, die auch Kinder und Jugendliche erfassen. Die Entwicklungsunterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen werden in der heutigen Gesellschaft nicht nur größer, weil die Förderungen immer ungleicher verteilt sind. Die Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen laufen aufgrund des vielfältigeren gesellschaftlichen und medialen Angebots auch immer mehr auseinander. Die relativ starren und immer schneller veraltenden Lehrinhalte halten mit den gesellschaftlichen Entwicklungen immer weniger Schritt. Die an den Schulen vermittelte Allgemeinbildung hat immer weniger mit dem zu tun, was den Schüler_innen in der Realität außerhalb der Schule entgegentritt, wodurch das Lernen zur sinnlosen Schikane werden kann. Die Lehrer_innen können sich normalerweise nur auf jene Schüler_innen konzentrieren, die in ihrem Fach den guten Durchschnitt bilden. Informell gründet sich also so etwas wie eine Interessengruppe, mit dem Unterschied, dass alle weniger Interessierten ebenfalls anwesend sein müssen. Hochbegabte werden in dieser Struktur tendenziell ebenso vernachlässigt wie Kinder und Jugendliche mit auffälligem Sozialverhalten und/oder Lernschwierigkeiten. Die wachsenden Unterschiede bei Entwicklung, Interessen und Förderung begünstigen die wachsenden Unterschiede bei Interesse am Unterricht, Gefordertsein und Teilnahmemöglichkeit bei den Schüler_innen. Unterforderung und Überforderung sind gleichermaßen Nährboden für Mobbing. Die Lehrer_innen sind heute mehr denn je mit Ablehnung seitens einer zunehmenden Zahl von Schüler_innen konfrontiert, an deren Fähigkeiten und Möglichkeiten der Unterricht schlicht vorbeigeht. Das liegt wohlgemerkt weniger an der Begeisterungsfähigkeit und Motivation der Lehrer_innen, sondern viel mehr an der vorgegebenen Struktur von Schule und Unterricht. Leistungsdruck, Erwartungsdruck der Eltern und des sozialen Umfeldes in Verbindung mit dem Notensystem und der Möglichkeit zu versagen und durchzufallen, machen die Schule für manche Kinder und Jugendlichen zu einem Raum des Leidens und des Kampfes, in dem sie strukturell unterlegen sind. Je mehr Konfliktdruck, je weniger Möglichkeit, die dahinterliegenden Strukturprobleme und Konflikte für den eigenen Bereich zu entschärfen, desto eher kommt es zum Rückgriff auf destruktive Ventile, und zwar nicht nur unter Schüler_innen, sondern auch seitens der Lehrer_innen.

Zum Konfliktdruck durch die Organisation Schule treten gesellschaftliche Druckmomente hinzu. Beispielsweise wirken sich in Zeiten der Wirtschaftskrise die Diskurse über Unsicherheit und Existenzängste auch auf Jugendliche aus. Ständig wachsende Arbeitslosenzahlen und sinkende Chancen auf den Traumberuf oder Desorientierung sind ebenfalls gesellschaftlich induzierte Druckmomente, die Schüler_innen Sorge bereiten. Die Mobbingerfahrungen vieler Eltern in einem vielerorts dramatisch härter werdenden Berufsalltag können sich auch auf Kinder und Jugendliche sowohl als Angreifende als auch als Angegriffene auswirken. Durch die strukturell angelegte allgemeine Verschärfung der gesellschaftlichen und organisatorischen Konflikte bekommt die Schule zunehmend die Aufgabe der Überwachung, was wiederum den unmittelbaren Konfliktdruck in der Schule verschärft. Das Mobbingpotential setzt sich also insbesondere zusammen aus gesellschaftlichem und organisatorischem Konfliktdruck sowie Fehlern durch die verantwortlichen Schulleiter_innen, Lehrer_innen und Eltern, die noch zusätzlichen Konfliktdruck erzeugen. Erst in letzter Instanz sind es Konflikte unter den Schüler_innen, die im Cocktail der Mobbingursachen eine Rolle spielen.

Wie gelingt Mobbingprävention?

Die strukturell angelegten Konflikte sind von Schulleiter_innen, im Lehrer_innenkollegium, im Unterricht oder mit den Eltern nicht lösbar, sondern müssen von ihnen als stakeholder_innen auf eine politische Ebene getragen werden. Langfristig effektive Mobbingprävention ist nur durch strukturelle Reduktion des Mobbingpotentials möglich, weshalb einem politischen (bzw. selbstorganisiert subversiven) Engagement von Lehrer_innen, Eltern und Schüler_innen insbesondere zur Modernisierung der Schulstrukturen die höchste Priorität aus mobbingpräventiver Sicht zukommt.

Da diese langfristige Arbeit unter den gegebenen Verhältnissen nicht rasch zum Ziel führen wird, muss jedoch auch in eine weniger effektive Mobbingprävention im bestehenden Einflussbereich der Schule investiert werden. Hierbei ist zunächst die Organisierung der Mobbingprävention und deren schrittweise Institutionalisierung von zentraler Bedeutung, um dem Burnout von isolierten Einzelkämpfer_innen vorzubeugen. Mobbingprävention kann zunächst von einer Interessensgruppe ausgehen, die je nach Können, Zeitressourcen und Einfluss den Prozess der Reflexion und Verbreitung von good practice betreibt. Institutionalisierung von Mobbingprävention (nebst Diskriminierungs-, Sucht- und Gewaltprävention etc.) erfordert jedoch mehr: eine breite Basis und die Unterstützung der Schulleitung. Wie sehr die Umsetzung von entscheidungsmächtigen Instanzen abhängt, wird offenbar, wenn versucht wird, Konfliktlösungsverfahren zu verbessern. Spätestens in der Phase der Umsetzung muss sich nämlich die Institution eingestehen, bisher selbst auch diskriminatorische Verhaltensweisen unterstützt zu haben. Und diese Form der Offenheit, der Umgang mit eigenen Schwächen ist für den weiteren Prozess von immanenter Bedeutung.

Denn die wesentlichen Angelpunkte für Mobbingprävention in einem unflexiblen organisatorischen Rahmen sind Konfliktkultur und Transparenz. Der Aufbau einer Konfliktkultur bedeutet erstens, destruktives Verhalten weder zu ignorieren noch zu tabuisieren, sondern es zu erkennen und sachlich zu bearbeiten, ohne in die Schemata von Täter_in-Opfer bzw. Schuld-Unschuld zu verfallen und somit die Mobber_innen zu individualisieren und zu dämonisieren. Mobbing hat immer System. Zweitens ist es empfehlenswert, dass Schulen eigene Normen (Betriebsvereinbarungen) oder wenigstens Leitbilder sowie jedenfalls Unterrichtsmethoden zum Umgang mit dem auf mehreren Ebenen entstehenden Konfliktdruck entwickeln und verbreiten. Transparenz bedeutet, zu wissen, wer was entscheidet und wo gegebenenfalls interveniert werden kann, wenn Entscheidungen zu einem Konfliktdruck führen. Durch Transparenz ist auch ein Umgang mit den strukturellen Problemen möglich. Die gemeinsame Reflexion über Fehler in der Struktur und wie sie von wem behoben werden könnten, löst die Konflikte nicht. Sie bietet aber doch die Möglichkeit, sie in eine Handlungsperspektive und eine konkrete Konfliktlinie in Richtung Schulpolitik zu übersetzen, anstatt ein Abgleiten des Konfliktdrucks in Richtung eines destruktiven Ventils zu riskieren.

Außerdem können Beispiele zum erfolgreichen Umgang mit Mobbingfällen gesammelt und diskutiert werden. Die Beispiele müssen nicht aus eigener Erfahrung stammen; sie können z. B. auch im Internet recherchiert werden. Gibt es aber Mobbingvorfälle in der eigenen Institution, ist es förderlich, diese anonymisiert zu veröffentlichen und zu diskutieren. Sowohl im Lehrkörper als auch in den Klassen soll ein offenes Klima entstehen, in welchem mobbingfördernde Situationen frühzeitig erkannt und möglichst neutralisiert werden.

Zur Konfliktkultur gehört auch ein gut zugängliches und gegebenenfalls interventionsmächtiges Unterstützungs- und Beschwerdewesen. Eine Mobbing-Anlaufstelle wird als informelle selbstorganisierte Arbeitsgruppe oder später im besten Fall als institutionalisiertes Gremium von Schüler_innen, Lehrenden, Schulpsycholog_innen und Eltern besetzt, sodass sich die Betroffenen ihre Ansprechpartner_innen aussuchen können. Aber auch für einzelne Lehrer_innen sollte die Anlaufstelle ein Stützsystem (bestehend aus Mediator_innen, Sozialarbeiter_innen und anderen externen Expert_innen) bereitstellen. Die Anlaufstelle sollte sich ebenfalls von externen Fachleuten Unterstützung holen können. Auch gänzlich externe Unterstützung für Personen, die sich gemobbt fühlen, sollte zugänglich gemacht werden, da Externe nicht involviert sind und die Anonymität der Hilfesuchenden gewährleisten können. Eine Vertrauensbasis mit dem/der Betroffenen wird so leichter herstellbar. Externe Unterstützung ist allerdings teuer. Dafür müssten Ressourcen der Schule extra gewidmet werden. Jene Personen, die die Anlaufstelle betreuen, müssen sich – neben besonderer Integrität – auch durch fachlich-inhaltliche Kompetenz auszeichnen. Das erfordert Weiterbildung und somit ebenfalls Ressourcen. Hat die Schule keine Möglichkeit, intern ein Unterstützungs- und Beschwerdewesen zu installieren, so ist eine gut zugängliche Information über externe Anlaufstellen in den Bereichen Anti-Mobbing, Anti-Diskriminierung etc. eine einfach umsetzbare Alternative.

Es ist nicht immer ein Leichtes, Mobbing unter Schüler_innen zu erkennen. Mobbingangriffe finden am häufigsten in den Klassen während des Unterrichts, dann in der Pause und seltener am Heimweg statt.1 Die allermeisten Angriffe entgehen daher der Aufmerksamkeit der Lehrer_innen, obwohl sie sich am häufigsten in der Zeit ihrer unmittelbaren Aufsicht zutragen. Daher kann Mobbing oft nur an seinen Symptomatiken erkannt werden: Abnahme der Leistungen, Passivität und Isolation betroffener Schüler_innen können auf einen fortgeschrittenen Mobbingprozess hindeuten. Spätestens dann muss aufmerksamer beobachtet werden. Gegebenenfalls müssen die Angriffe durch Intervention gestoppt und Vorschläge zur Verbesserung der Situation erarbeitet werden. Mittels welcher Intervention die Angriffe am besten unmittelbar gestoppt werden, hängt insbesondere von der psychologischen Motivation der Angreifenden ab. Es ist meist sinnlos bzw. kontraproduktiv, den Schüler_innen das Mobben zu untersagen, sie bloßzustellen oder zu bestrafen, weil damit ein zusätzlicher Konfliktdruck geschaffen wird, der sich tendenziell erneut entladen wird: entweder auf die Angegriffenen oder auf „neue Opfer“ oder in einer anderen destruktiven Form. Der häufigen Motivation mobbender Schüler_innen, durch Mobbing beliebt zu werden, an Macht und Einfluss zu gewinnen, muss die Intervention in irgend einer Weise gerecht werden. Die Mobbenden sollen Handlungsalternativen kennenlernen und ihre Macht auf konstruktive Weise einsetzen. Es wäre sogar eine scheinbar paradoxe Intervention denkbar: Gerade die in der Klasse einflussreichen Mobbenden könnten selbst zu Mobbingbeauftragten gemacht oder mit einer Arbeit zu diesem Thema betraut werden. Geknüpft an diese Aufgabe wäre eine Unterstützung durch einzelne Lehrer_innen und der Austausch mit anderen Mobbingbeauftragten bzw. den Arbeitsgruppen oder Gremien, die in der Schule gegen Mobbing aktiv sind. Diese Aufgabe könnte den neuen Mobbingbeauftragten jene Aufmerksamkeit vermitteln, die sie sich durch Mobbing erhofft haben mögen. Sobald die Angriffe gestoppt sind, muss der Konfliktdruck im Hintergrund bearbeitet werden, sonst besteht die sehr große Gefahr, dass sich die Angriffe fortsetzen. Dies kann wiederum paradoxerweise durch Ermächtigung der Mobber_innen passieren, indem sie lernen, sich in (echten) Konflikten zu behaupten. Eventuell lassen sich unmittelbar aus den für Mobbing typischen aufgebauschten Scheinkonflikten ein Konfliktbewusstsein und Lösungsbereitschaft erzeugen.

Umsonst sind diese Interventionen dann, wenn die Einstellung der Lehrer_innen nicht vom Wunsch nach einer anti-diskriminatorischen Schule, einer Schule ohne Mobbing beseelt ist. Zwar ist eine gute materielle Ausstattung einer Schule notwendig, damit sie funktioniert. Für gut funktionierende Beziehungen sind aber viel mehr innere Bilder und Konstrukte von Bedeutung, die das Handeln der Lehrer_innen prägen. Die Förderung von Autonomie, (Eigen-)Verantwortlichkeit und Konfliktlösungskompetenz der Schüler_innen ist von immanenter Wichtigkeit, um eine offene, partnerschaftliche Kommunikationskultur zu etablieren, die das Auftreten von Mobbing, wenn schon nicht verhindert, dann zumindest minimiert.

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